Einer der geförderten Sozialunternehmer ist der ghanaische Softwareentwickler Raindolf Owusu, der in seinem Heimatland die App „Bisa“ etablieren möchte, mit der Menschen in abgeschiedenen Gegenden Afrikas einen ersten Kontakt zu Ärzten aufnehmen können. „Bisa“ bedeutet in der ghanaischen Landessprache schlicht „Fragen“. In Ghana steht statistisch gesehen ein Doktor für 8500 Personen zur Verfügung. Zudem leben viele Menschen mehr als einen Tagesmarsch entfernt vom nächstgelegenen Arzt oder Krankenhaus. So haben sie nicht nur schlechten Zugang zu grundlegenden Gesundheitsleistungen, sondern müssen sich vorab orientieren können, an welchen Arzt sie sich wenden, bevor sie dorthin aufbrechen. „Ghana hat eine junge Altersstruktur. Zudem sind Smartphones dort sehr verbreitet und werden im Alltag auch genutzt, um etwa Bezahlungen zu tätigen. Insofern kann man über eine App sehr viele Menschen erreichen“, erklärt Masterstudent Marco Miglietta.

Gemeinsam mit Florian Wehle und weiteren Kommilitonen wurde er von Raindolf Owusu damit beauftragt, Wege zu entwickeln, wie sich weitere Ärzte in Deutschland als Ansprechpartner für Bisa-Nutzer finden lassen, um die Wartezeit auf Antworten zu reduzieren. Die Studierenden fanden bei ihrer Recherche heraus, dass für Bisa insbesondere Ärzte im Ruhestand und Medizinstudierende vor Studienabschluss eine geeignete Zielgruppe darstellen, die sich für ein Engagement gewinnen lassen könnten. Mit diesem Wissen entwickelten die Studierenden ein Erklärvideo, das in aller Kürze das Anliegen von Bisa erläutert und dem Betreiber dabei hilft, auf weitere Mitwirkende zuzugehen. „Wir suchen laufend nach Ärzten, die uns unterstützen. Die Arbeiten der Studierenden, die wir in unser Konzept übernehmen, helfen uns sehr dabei, weitere Mediziner zu rekrutieren“, betont Bisa-Gründer Raindolf Owusu.

Eine weitere von insgesamt sechs Studierenden-Gruppen der WFI kooperiert mit dem Berliner Unternehmen „Coolar“, das sich zum Ziel gesetzt hat, ein neues Kühlsystem für den Einsatz in Entwicklungsländern zu produzieren – insbesondere zur adäquaten Lagerung von Medikamenten und Impfstoffen. Während herkömmliche Kühlschränke eine zuverlässige Stromversorgung benötigen und Kompressoren nutzen, die unter rauen Bedingungen schnell verschleißen, kommt Coolar ohne elektrische Energie und bewegliche Teile aus. Stattdessen machen sich die Entwickler Verdunstungskälte und ein spezielles Gel zunutze, um einen Kühlkreislauf in Gang zu halten.

Die Masterstudentin Sarah Kühne und ihr Team haben für das Unternehmen analysiert, ob es die Herstellung komplett selbst übernehmen oder Teile der Produktion auslagern sollte. Dazu sprachen sie mit Industrieexperten und entwickelten unter anderem den Vorschlag, die Einzelteile des Kühlschranks erst im Zielland zusammensetzen zu lassen, um so nebenbei auch die dortige Bevölkerung einzubeziehen. Sie haben außerdem errechnet, welche Variante rentabler ist und eine Einkaufsstrategie erstellt. „Vor allem Hilfsorganisationen und Staaten sind potentielle Abnehmer dieses Kühlsystems“, wie Sarah Kühne und ihre Mitstreiter unter anderem im Kontakt zur Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) erfuhren, die vom Bund getragen wird. „Die Studierenden haben mich und mein Team positiv beeindruckt. Sie erleichtern es uns, eine Fertigungsstrategie zu definieren und eine fundierte Vorauswahl möglicher Partner und Vertragsmodelle zu treffen“, resümiert Coolar-Mitgründer Christoph Göller die Kooperation mit den WFI-Studierenden.

Diese haben durch die Arbeit mit den Sozialunternehmern auch Ziele für ihren beruflichen Weg aufgezeigt bekommen: „Ich habe durch den Austausch gelernt, dass man Gutes tun und damit Geld verdienen kann, und konnte mein Wissen anwenden. Ein Startup-Unternehmen könnte ich mir auch für meine eigene Perspektive vorstellen“, sagt Kühne.

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